Als langjähriges Projekt und trotzdem immer noch in seinen Frühphasen,
befinden sich die Vorarbeiten und Recherchen zu jenem Drehbuch, das die Eroberung der einstigen Hauptstadt des Oströmischen Reiches, Konstantinopel,
im Mai 1453 durch die Türken, zum Inhalt hat.
Das Projekt stammt noch aus der Zeit vor meiner Auswanderung in die BRD und beruht im Wesentlichen auf einem in rumänischer Sprache verfassten historischen Roman von
Vintilă Corbul, dessen Arbeit im Westen wohl kaum bekannt sein dürfte, die deshalb aber
nicht weniger wertvoll und kompetent ist.
Angesichts der derzeitigen Annäherung der Türkei an die Europäische Union und
der nicht enden wollenden Diskussion ob deren Beitritt nun gerechtfertigt sei oder nicht,
soll der Film anhand der Persönlichkeit des osmanischen Herrschers Mehmed des Eroberers, der nicht anders als seine Kontrahenten in Westeuropa eine ebenso schillernde wie widersprüchliche Gestalt des Renaissancezeitalters war und bereits damals die Zerrissenheit der heutigen Türkei vorwegnimmt, wo sich der islamistische Ritus unversöhnlich einer laizistischen Weltanschauung gegenübersteht, wo sich aber die Verschmelzung der einstigen griechischsprachigen byzantinischen Bevölkerung mit den ostanatolischen osmanischen Reiterscharen bereits vielseitig durchgesetzt hatte, uns zeigen, dass die Vorraussetzungen einer Vereinigung damals wie heute gegeben und zwingend waren.
Es vollzog sich, mit anderen Worten, bereits damals der heutige Einigungsprozess zwischen der Türkei und Europa, wo der überbordende, aber einfacher daherkommende Lebenswille,
zu dem höheren, weil geistig, wirtschaftlich und gesellschaftlich entwickelteren hinstrebt, der jedoch im aussterben begriffen ist, so dass er schließlich, wie nunmal der Lauf der Dinge so ist, in diesem auch aufgeht.
Dies zu veranschaulichen und damit der Beitrittsdiskussion das Gift zu entziehen, soll dieser Film bewirken. Und nicht zuletzt auch unterhalten.
Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Walter Roth