von der wiege bis zur bahre

von der wiege bis zur bahre

22.11.2007, 12:02

 

von der wiege bis zur bahre

von

Ines Reeb

Während das Leben sorgfältig etikettiert, rechtzeitig, unverzüglich und ohne Verspätungen verwaltet, korrekt und gut leserlich beschriftet, eingetütet, unter optimalen Bedingungen aufbewahrt und sinnlos verlängert, nach geplanten Vorgängen abgehakt, allen Kontrolleuren zum Hohn jede Erwartung an Pünktlichkeit und Betulichkeit weit über die geltenden Normen erfüllend, sich Grenzwerten nur auf lichtjährige Entfernung nähert, jede Nachlässigkeit und liebenswürdige Verplanung mit stets einer Viertelstunde früher anwesenden Genauigkeit straft, die Verordnungen so wunderbar erfolgreich befolgt, dass selbst die Vorschriftenerfinder sich in ihre Schulzeit zurückversetzt fühlen und die leeren, im Rhythmus der großen und kleinen Hausordnung regelmäßig  gewarteten Formen den Inhalt zu keinem Zeitpunkt vermissen

 

schielt

 

immer wieder die Frage hinter alphabetisch aufgereihten Aktendeckeln hervor:

 

Wozu?

 

Die Frage konnte niemals beantwortet werden, da dass entsprechende Ressort nicht eingerichtet war.

 

Da sie aber neugierig, beharrlich, respektlos, nur sich selbst und ihrem Dasein Rechenschaft schuldend nicht abgewimmelt und mit mangelnder Zuständigkeit auf zu spät vertröstet werden konnte,

 

verunziert sie immer noch den säuberlich, nach Jahreszeiten bepflanzten und gepflegten, an hässlicher Zeitlosigkeit unübertroffenen, kleingartenvereinswettbewerbssiegerverdächtigen  Vorgarten des Verwaltungstempels wie ein ewiges Mahnmal der unzulänglichen Untugendhaftigkeit, deren Bändigung noch Generationen von aktenordnerinexeltabellenumwandelndundaktualisierenden, strichlistenerfüllenden Mitarbeitern in die allerhöchsten Sphären der bis sechzehn Uhr, am Donnerstag eine Stunde länger, dafür am Freitag um 13 Uhr pünktlich schlussmachenden Pseudogöttern in praktischem Business Outfit Marke Fantasielosigkeit erheben wird.