Kurze Geschichte Siebenbürgens_Teil2-Siebenbürgen im mittelalterilichen Ungarn


Kurze Geschichte Siebenbürgens_Teil2-Siebenbürgen im mittelalterilichen Ungarn

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Die Geschichtswissenschaft der heute mit den Ungarn im Karpatenbecken zusammenlebenden slawischen und rumänischen Völker, setzt in der Anonymus-Frage bislang nicht die Methoden der Quellenkritik ein. In unserem Jahrhundert tat sie im Gegenteil sogar noch einen Schritt zurück: sie betrachtet den Autor der Gesta als „Kronzeugen“, der über die Ereignisse an der Wende vom 9. zum 10. Jahrhundert mit der Glaubwürdigkeit eines Kriegsberichterstatters oder eines Kriegstagebuchs berichtet hätte und hält seine „Objektivität“ als ungarischer königlicher notarius für unbezweifelbar. Die heutige rumänische Geschichtsforschung interpretiert die, von Anonymus und seinem Kodexkopisten, aus verstümmelten Dorfnamen erdichteten Oberhäupter, wie „Gelu“ (Gyalu), Ménmarót (Marót) und Glad (Galád), samt ihren Taten, als „Vaterlandsverteidigungs“-Kampf des rumänischen Volkes und betrachtet ihre angeblichen Herrschaftsgebiete, als „feudale rumänische Woiwodschaften“ (voievodate). Eine Annäherung der Ansichten, ein Kompromiß ist unmöglich, solange die Geschichtsforschung von nationalstaatlichen Gesichtspunkten beherrscht wird.
Vertrauen verdienende zeitgleiche Angaben über die tatsächliche Geschichte der Ungarn im 9.–11. Jahrhundert, sind in orientalischen (vorderasiatisch- und spanisch-arabischen, persischen), in westlichen (lateinischen aus Italien, Deutschland und Frankreich) sowie in byzantinischen (griechischen) Quellen überliefert. In ihnen ist über die bei Anonymus vorkommenden Personen und Ereignisse nicht oder nicht zur Landnahmezeit die Rede. Auch die älteste Erinnerung aus Ungarn, die aus der Gesta Ungarorum, der ältesten Chronik aus der Zeit des hl. Ladislaus übernommene Geschichte, stimmt mit der Landnahmegeschichte des Anonymus nicht überein, die auf die verlorene, in den 1060er Jahren geschriebene Urgesta zurückgeht.

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